Wirtschaftsmuseum Ravensburg wieder geöffnet

Ab dem 6. Mai ist das Wirtschaftsmuseum Ravensburg unter strengen Hygieneauflagen wieder geöffnet. Wir freuen uns interessierten Besuchern ein wenig kulturelle Abwechslung in den Corona-Alltag bringen zu dürfen. Die Gesundheit unserer BesucherInnen und...

Dauerausstellung

Unsere Dauerausstellung lädt Sie zu einer Zeitreise durch die letzten 200 Jahre im Landkreis Ravensburg ein. In sechs Themenbereichen erfahren Sie in Bildern, Objekten, Hörspielen und Filmen spannende und unterhaltsame Geschichte und Geschichten rund um das Thema Mensch und Wirtschaft. Auch das Museumsgebäude selbst erzählt eine eigene Geschichte: Das Haus in der Marktstraße 22 gehörte der Oberamtspflege, einem Vorläufer des heutigen Landratsamtes. Ab 1823 belegte die älteste Kreissparkasse Württembergs einen Raum in der Oberamtspflege.

Tresor der Oberamtssparkasse Ravensburg. Rechte: Wirtschaftsmuseum Ravensburg
Der erste Themenbereich „Sparen, leihen, investieren – Geld in Bewegung“ vermittelt im ursprünglichen Tresorraum der ältesten Sparkasse Württembergs folgenreiche Geschichten rund ums Geld. Hinter Spionglas verborgen schildert ein Bankmitarbeiter einen schweren Banküberfall. Auch wie man es vom Bäckersgehilfen zum Bankdirektor bringen kann, wird hier berichtet.
Frühe Motorisierung in Ravensburg durch Jakob Kilgus. Rechte: Autohaus Kilgus
Im Raum „Wachstum durch Entwicklung“ stellt ein bebilderter Zeitstrahl die wirtschaftlich wichtigsten Erfindungen in den Bereichen Kommunikation, Mobilität und Energie dar. Wussten Sie beispielsweise, dass das erste dampfbetriebene Automobil, der „Fadier“ von Nicholas Cugnot, bereits 1769 auf Probefahrt ging? Leider baut der Erfinder bei seiner Vorführung des Wagens gleich den ersten Autounfall der Weltgeschichte und wirft das Projekt „Automobil“ so um Jahrzehnte zurück.
Milchpilz. Rechte: WALDNER
Weiter geht es unter dem Motto: „Vom Handwerker zum Industriellen“. In spannenden Video-Interviews beleuchtet die Ausstellung die Entwicklung einzelner Betriebe vom kleinen Handwerksbetrieb zum multinationalen Konzern. So beginnt die Geschichte der Firma Waldner im Jahr 1908 mit einer Flaschnerei in Wangen im Allgäu – heute fertigt Waldner High-Tech-Labore für Kunden in aller Welt.
Das Hofgut Dürren gemalt von Eugen Felle im Jahr 1926. Rechte: EDELWEISSBRAUEREI FARNY
Um „Angebot und Nachfrage“ dreht sich der vierte Raum. Welche Bedürfnisse hat der Mensch? Und wer sorgt wie für deren Befriedigung? So schafft es Brauereibesitzer Oskar Farny 1924 fast nicht mehr rechtzeitig zur Feier seines Hochzeitstags, da er vorher seine neue Erfindung, das „Champagnerweizen“, fertig stellen will. Ein entschuldigender Liebesbrief an seine Ehefrau ist der erste schriftliche Beleg für das heute noch immer äußerst beliebte Kristallweizen.
Viehmarkt in Wangen. Rechte: Haus der Geschichte Baden-Württemberg, Sammlung Leser.
Der Landkreis Ravensburg ist seit jeher stark landwirtschaftlich geprägt. Der Raum „Von der Ackerfrucht zum Markenprodukt“ zeichnet anhand einzelner Produkte nach, wie sich unser Konsumverhalten im Laufe der Jahrhunderte wandelt, wie Absatzmöglichkeiten versiegen, aber neue Märkte sich eröffnen, wie moderne Anbaumethoden sich etablieren und wie aus leibeigenen Bauern Unternehmer werden. Die Entwicklung könnte nicht größer sein!
Einstellungstest der Maschinenfabrik Weingarten von 1936. Rechte Wirtschaftsarchiv Baden-Württemberg
Der letzte Raum verfolgt die Frage: „Ein Leben für die Arbeit?“ Mittels Interviews und Hörspielen blickt das Wirtschaftsmuseum auf einzelne Lebens- und Arbeitsschicksale. Welche Geschichten stecken hinter so geläufigen Begriffen wie „Zwangsarbeit“? Wir haben Zeitzeugen dazu befragt. Wir haben in alten Chroniken gestöbert: So beklagt sich bereits in den 1930er Jahren die Maschinenfabrik in Weingarten über die mangelnde Qualität von Auszubildenden – ein nach wie vor aktuelles Thema. Wir baten heutige Azubis, sich dem Eingangstest von 1936 zu unterziehen. Sie wollen ebenfalls Ihre Eignung überprüfen? Schreiben Sie den Test im Museum nach!